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Ich sehne mich nach jemanden, mit dem ich nachts bei Kerzenschein neben meinen Tomaten sitzen kann, Wein trinken und quatschen kann.
Jemand, den es nicht stört, wenn ich auch mal weine. Jemand, der mich in den Arm nimmt, wenn ich es brauche.
Jemand, der mir zuhört und selbst auch erzählt.
Mir zeigen was er sieht und sich zeigen lässt was ich sehe. Wie F. es sagt.
Ich bin so verdammt einsam.
Da ist niemand, mit dem ich wirklich reden kann, das zermürbt mich. Langsam verliere ich die Fähigkeit zu sagen, wie es mir geht. Ich fühle mich leblos, ich fühle mich leer. Manchmal weiß ich gar nicht, wie es mir geht.
Und wenn da ein starkes Gefühl ist, dann ist es meist Angst.
Angst wovor? Vor viel zu vielem.
Es ist manchmal leichter, zu denken, dass ich eigentlich tot bin. Das macht es einfacher. Ich bin hässlich, aber das ist egal, weil ich tot bin. Ich brauche nicht zu leben, weil ich tot bin.
Ich brauche nicht zu fühlen, weil ich tot bin.
An manche Dinge darf ich nicht denken. Ich merke dann, dass ich nicht tot bin, sondern mehr oder weniger lebe.
Wen interessieren diese Gedanken?
Niemanden, egal, wie sehr ich es mir wünsche.
Ich wünsche mir, dass da draußen einer ist, der sich dafür interessiert. Der denkt: Ich würde mit dir bei Wein zusammen sitzen und mit dir reden. Ich würde gern mit dir reden.
Aber da ist keiner.
D. ist mir ferner als je zuvor. Ich weiß nicht, wie sie mich sieht. Etwas lästiges? Etwas ekles? Ich weiß es nicht. Ich werde es nie erfahren. Punkt.
An R. denke ich leider zu viel. Ich will es endlich alles vergessen, aber es ist wie ein vergifteter Stachel, der nicht aus dem Fleisch zu ziehen ist.
Manchmal wünsche ich mir, dass ich Krebs habe.
Es würde es leichter machen.
Ich habe mich bei dem Gedanken erwischt: "Hoffentlich ist dieses Stechen Krebs."
Warum will ich eine tödliche Krankheit haben?
Wieviele Menschen sterben daran, wieviele wichtige Menschen werden dahingerafft? Und mit wichtig meine ich nicht populär oder so etwas, sondern wichtig im Sinne von ... wichtig, was ihre Gedanken und ihr Leben angeht. Sie lieben das Leben, sie haben etwas vor, sie haben Freunde, Familie.
Und ich wünsche mir es mir. Es ist egoistisch. Es ist als wünsche ich mir Selbstmord, ohne es selbst tun zu müssen. Sterben, ohne Selbstmord begehen zu müssen.
Das begreife ich erst jetzt, aber ich glaube, dass es so ist.
Krebs, das geht nicht von heute auf morgen. Ich habe noch Zeit, mich vorzubereiten und ich darf es offen sagen: Ich werde sterben. Die Leute verzeihen mir, wenn ich mal unpassende Kommentare mache, denn sie wissen: Sie wird bald sterben, sie hat Krebs.
Es wäre okay, wenn ich R. suche und sie anschreie, sage, dass ich sie hasse.
Es wäre okay, wenn ich vor H.s versammelter Familie auf A. losgehe, sie eine widerliche Lügnerin, eine eklige Hure nenne, denn sie wissen alle: Dieses Mädchen hat nichts zu verlieren.
Es wäre okay, wenn ich mein gesamtes Geld nähme und noch für ein Wochenende nach Oslo fahre.
Ich weiß, es ist wahnsinnig egoistisch.
Meine Mutter, H., sie würden leiden, einen geliebten Menschen sterben zu sehen.
Aber vielleicht bin ich wie eine Agave: Ich blühe um dann zu sterben.
Dieser Text wird länger als ich dachte, aber es kommen mir so viele Gedanken klarer vor, dass ich nicht aufhören kann zu schreiben.
Was will ich? Das habe ich mich heute gefragt, als ich die Tomaten umgetopft habe.
Will ich mit H. den Rest meines Lebens verbringen? Nein, dachte ich. Und doch, als er heute im Baumarkt von einem Haus mit Teich sprach, dass er später mit mir haben will, da ist für einen Moment eine Tür in mir aufgegangen und ich habe seine Hand genommen. Da ist die Tür auch schon wieder zugeschlagen.
Was will ich? Ich bekomme die Frage nicht aus dem Kopf.
Natürlich, da sind Träume, aber ich träume mein Leben. Sonst nichts.
Ein Haus, in Norwegen, klein, alt. Mit Garten, unweit eines Fjordes. Die Leute tuscheln, denn sie wissen, da wohnt eine wunderliche Schriftstellerin. Sie kommt aus Deutschland und schreibt dort in dem kleinen Haus ihre Bücher. Sie scheint davon leben zu können, aber man sieht sie nicht oft.
Manchmal läuft sie mit einer Photokamera herum und photographiert wild herum. Sie baut vieles in ihrem Garten selbst an, alles, was in diesen Geraden wächst und gedeiht.
Ja, so erträume ich es mir.
Aber was ist die Realität? Ich versuche es mir in regelmäßigen Abständen ins Gedächtnis zu rufen:
Ich bin eine 20-Jährige stark übergewichtige "Frau", die sowohl die Schule als auch eine Ausbilung wenig ruhmreich, feige kann man sagen, abgebrochen hat und nun in einer 2-Zimmer-Wohnung mit ihrem Freund vor sich hinvegetiert. Ich habe keine Freunde. Ich habe wenig Klamotten, trage wochenlang den selben Rock. Ich bekomme nichts auf die Reihe, jeder Nebenjob scheitert, bis auf einen, der allerdings immer auf der Kippe zu stehen scheint. Im Geld ausgeben bin ich gut, im verdienen nicht. Mein Freund bezahlt das meiste und obwohl ich ein schlechtes Gewissen habe, erwehre ich mich des Gedankens mich aushalten zu lassen. Ich bezahle auch was, das stimmt. Ich gebe nicht mein gesamtes Geld für mich aus, aber viel zu viel. Ich sitze den ganzen Tag vorm Pc, tue kaum was im Haushalt, koche und putze unregelmäßig.
Kümmere mich um meine Tomaten besser als um mein Kaninchen. Bekomme dauernd die Wut auf andere Leute, obwohl ich meistens selber den Fehler gemacht habe und nicht sie.
Das ist die Realität.
Ich werde nie die beliebte Schülerin sein. Ich werde nie das lebensfrohe "Partygirl" sein. Meine Jugend ist gelebt und das ziemlich scheiße. Ich kann die Zeit nicht zurückdrehen.
Wenn ich von oben, aus dem Weltall sozusagen, auf mich niederblicke, finde ich mich erbärmlich.
Meine wenigen Jahre, die ich auf der Erde leben werde, sind so winzig und so unbedeutend im Gegensatz zu den Galaxielieben. Die Sterne, die verschwenderischsten, leben Millionen von Jahren. Ich hab nicht mal die Chance auf 100 Jahre.
Ich bin winzig. Mein Tod ist unvermeidlich. Es ist egal wie ich lebe, was ich mache, ich werde sterben.
Und eigentlich bin ich ja schon tot. Eigentlich bin ich schon gestorben, am 20. Juli 2006.
30.7.09 02:17
 


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bisher 6 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Keiner / Website (30.7.09 02:53)
du hast recht, da ist keiner, und das bin ich =)
ich würde mit dir am fenster sitzen und wein trinken, auch irgendwo anders sitzen und wein trinken, stell dir vor ich würd sogar mit dir irgendwo sitzen OHNE wein zu trinken..
(ich bin übrigens eine frau, nicht dass du was falsches denkst.. ..)
ich kann deine gedanken sehr gut verstehen..
und was du schreibst ist SO interessant und trotz dem inhalt kommst du mir selbstbewusst und stark vor.
ich zweifle noch ein bisschen dran dass der text die wahrheit ist oder nur erfunden?

hmmm hoffentlich bist du noch wach,
und liest das :-)


Lichtlicoeur / Website (30.7.09 03:02)
Ich bin noch wach, heute sowieso länger.
Ein bisschen war es ein Schock einen Kommentar zu lesen, zu den vielen Gedankenströmen, die ich mal aufschreiben musste.
Ersteinmal: Es ist alles wahr was da steht, auch wenn manche Sachen eine unbequeme Wahrheit sind. Ich wünschte, dass es erfunden wäre und ich ein erfolgreiches Ding bin, hübsch und beliebt usw.
Nein, ich bin so wie ich mich beschrieben habe (was mir schwer gefallen ist).
Dann, ich weiß gar nicht wie ich es richtig schreiben soll, Danke. Ich weiß zwar nicht, was an diesen Gedanken interessant ist, aber die zerbrochenen Persönlichkeiten sollen ja mehr reizen als die "normalen".
Ich werde mir nun deine Website etwas anschauen und lesen und hoffe von dir noch etwas zu hören heute Nacht ...


Keiner / Website (30.7.09 03:49)
als ich die restlichen einträge gelesen hab, hab ich auch gemerkt, dass es schon wahr sein MUSS.. das beruhigt irgendwie (ich weiß, dich beUNruhigt es eher), aber ich weiß auch nicht. ich weiß aber nicht, wie jemand der so schreiben kann, unerfolgreich hässlich und unbeliebt sein kann. was stimmt denn mit dir nicht?
ja, zerbrochene persönlichkeiten reizen wirklich mehr. ich hab ab und zu im blog von irgendwelchen "normalen" mädchen gelesen und ich muss dir sagen, ich hab DABEI fast gekotzt. nicht bei deinen gedanken, sondern bei IHREN. so laangweilig, gewöhnlich.. unwichtig.. nichtssagend.. ich weiß, es ist nicht schön, solche gefühle zu haben, aber manchmal sag ich mir, lieber unglücklich und "tiefsinnig" sein, als glücklich und dumm.
und du bist garantiert nicht dumm.. das weißt du oder?
kennst du das buch "veronika beschließt zu sterben" von paulo coelho? das solltest du lesen, es ist mir gleich eingefallen, als ich deinen eintrag gelesen hab.
ich hoffe meine seite gefällt dir auch ein bisschen x-/
ich warte noch ein bisschen ob du zurückschreibst und dann geh ich auch mal schlafen

gute nacht??!

Ps: Bitte :-)


Lichtlicoeur / Website (30.7.09 04:06)
Hm, was stimmt mit mir nicht?
Die Frage habe ich mir schon oft gestellt.
Da fallen mir verschiedene Sachen ein. Einmal mein Aussehen, natürlich.
Aber ich scheine auch sonst ein furchtbarer Mensch zu sein, bei dem es niemand aushält.
Vielleicht sollte ich sagen, dass ich 2006 in dem Auto saß, welches mein damaliger Freund vor eine Wand fuhr, weil er sich umbringen wollte (was er geschafft hat). Da könnte ich natürlich jetzt noch 'ne Menge mehr zu schreiben, aber ich denke es reicht, wenn ich sage, dass ich danach einfach nichts mehr auf die Reihe gekriegt habe. Schule abgebrochen etcpp. Eine Zeit lang war ich unausstehlich, wie ein anderer Mensch, da läuft's mir immernoch kalt den Rücken runter wenn ich dran denke, da verlor ich auch meine beste Freundin. Dann hatte ich niemanden mehr.
Ich muss also ziemlich grässlich geworden sein, ich weiß nicht genau was es ist. Eine Bekannte, die D. die ich hier erwähne, sagt, ich sei nicht furchtbar, aber seit wir uns in echt getroffen haben, ist sie sehr distanziert. Woran es liegt sagt sie nicht. Sie sagt, es hätte sich nichts verändert. Ich weiß also nicht woran es liegt, mehr wollte ich eigentlich gar nicht aussagen...
Ob ich dumm bin oder nicht, das kann ich selbst am allerschlechtesten beurteilen. Meistens gehe ich allerdings davon aus, dass ich wohl eher dumm sein muss. Aber manchmal sehe ich auch Leute, wo ich mich wiederrum schlau fühle (wofür ich mich im Nachhinein schäme).
Das Buch "Veronika beschließt zu sterben" habe ich noch nicht gelesen, davon gehört schon. Da ich wohl eh morgen zur Bibliothek gehen werde zwecks neuem Lesestoff werde ich mal danach schauen.
Deine Seite gefällt mir definitiv, auch die Photos sind sehr schön.
Du kannst gut schreiben, es macht Freude bei dir zu lesen. Schreibst du auch mehr außer Blogeinträge?
Schön, dass in dieser verregneten, einsamen Nacht jemand da ist, der mich liest und da ist.
Ich wünsche dir eine gute Nacht, würde mich freuen, bald wieder von dir zu hören.


Keiner / Website (30.7.09 04:53)
Ich schreibe nur schnell zurück, damit du weißt, dass ich noch immer da bin :-) verregnet? regnet es bei dir? ich liebe regen ich wünschte es würde bei mir auch regnen..
ich antworte dir morgen wenn ich kann.
wenn du sowieso in die bücherei gehst, dann schau doch auch mal nach dem "steppenwolf" von hermann hesse. ist ein buch das jeder der "so" ist, braucht.
tut mir leid für die kurze nachricht, muss schlafennn

SCHLAF GUT


Lichtlicoeur / Website (30.7.09 12:19)
Ich antworte die auch erst jetzt, weil ich gestern zu müde war und auch ins Bett gegangen bin.
Der Steppenwolf steht sowieso auf meiner Leseliste, also werde ich ihn wohl mal in Angriff nehmen.
Regen liebe ich auch und ich habe Minutenlang auf dem Balkon gestanden, die Luft eingeatmet, auf die leere Kreuzung geguckt und mich ein bisschen wohl gefühlt. Zumindest wohler als wenn bei Tag alles voller Menschen ist und sich der Stau über die ganze Straße zieht.
Hoffe von dir zu hören und dass du gut geschlafen hast!

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